Nein, nicht direkt frei verkäuflich in der Apotheke, aber auf Rezept und in Kombination mit einer begleitenden psychiatrischen Therapie dürfen Menschen in Tschechien seit dem 1. Januar 2026 legal Psilocybin konsumieren – die psychedelische Substanz aus den sogenannten Magic Mushrooms. Gemeint ist die Psilocybin-Pilzart “Lysohlávka” auf tschechsch, Psilocybe semilanceata auf latein, die auch in der tschechischen Natur vorkommt. Mit einem meiner Ex-Freunde habe ich sie früher sogar gesammelt.
In Tschechien kommen die Pilze dann zum Einsatz, wenn konventionelle Behandlungen schwerer Depressionen versagt haben.
Offiziell darf Psilocybin verabreicht werden, wenn registrierte Arzneimittel unwirksam sind oder nachweislich nicht vertragen werden – und zwar ausschließlich bei folgenden Indikationen:
a) depressive Störung im Zusammenhang mit einer onkologischen Erkrankung,
b) klinisch schwer ausgeprägte Depression ohne psychotische Symptome, oder
c) akute Verschlechterung einer anderen schweren neuropsychiatrischen oder psychischen Störung, die das Leben des Patienten ernsthaft bedroht, sofern die Anwendung wissenschaftlich ausreichend begründet ist.
Im Unterschied zu klassischen Antidepressiva wirken Pilze sofort.
„Am Vormittag kann jemand noch Suizidgedanken haben und am Nachmittag stabil sein“, sagte Jiří Horáček, Direktor des Nationalen Instituts für seelische Gesundheit. Psychedelika helfen in etwa 65–70 % der Fälle – ein durchaus überzeugender Wert.
Rechtlich ist die Abgabe der Pilze in der Apotheke bereits geklärt. Nun geht es um die Kostenerstattung durch Krankenkassen und um weitere Schritte zur vollständigen Integration dieser neuen Therapieform ins Gesundheitssystem.

Den Durchbruch ermöglicht hat die Stiftung Psyres – Nadační fond pro výzkum psychedelik.
Zu den Autoren der Gesetzesnovelle gehören Jiří Horáček, Tomáš Páleníček, Filip Tylš und Vojtěch Viktorin, Hauptgarant ist erneut Horáček.
In Tschechien werden rund 700 000 Menschen wegen Depressionen oder Angststörungen behandelt bzw. wurden diagnostiziert – das entspricht etwa 6–7 % der Bevölkerung.
Aktuell absolviere ich einen Kurs zur Alltagsbegleiterin, also zu jemandem, der Zeit mit Seniorinnen und Senioren verbringt – zum Beispiel im Pflegeheim. Und tatsächlich leiden zwei von drei Senioren an Depressionen. Mit einem Freund habe ich sie einmal gesammelt, wie ich geschrieben habe, ein anderer hat sie mir getrocknet und zerkleinert auf ein Brot gestreut – so habe ich meine eigene Psilocybin-„Therapie“ erlebt, wenn auch ohne professionelle Begleitung 😀

Wenn ich ehrlich bin: Mein wirklich „life changing“ Erlebnis war LSD. Es ging um das Gefühl von Einheit, Verbundenheit und Zugehörigkeit zu allem und allen. Seitdem erscheinen Alltagsprobleme weniger dramatisch. Man wird nicht apathisch, sondern ausgeglichener und gelassener.
Und wer weiß – vielleicht werde ich dieses fast 20 Jahre alte Erlebnis einmal in Gesprächen mit „meinen“ Senioren gebrauchen können, wenn psychedelische Therapien dort ebenfalls ankommen. In Deutschland befindet sich das Thema, soweit ich weiß, noch im Studienstadium – also einen Schritt hinter Tschechien. Immer hin!
Für alle, die mehr dazu lesen möchten, hier ist Verlautbarungen des tschechischen Gesundheitsministeriums – man kann es mit KI übersetzen, mit Chat GPT, Gemini oder Deepl.
PS: Der zweiten Freund hat Jahrelang in eine Firma gearbeitet, die sich mit Gehirn Monitoring beschäftigt. Später hat er eigene Firma gegründet. Was macht er genau?
“XX, Ph.D. ist Neuroingenieur, Data Scientist und Unternehmer. Er spezialisiert sich auf die Entschlüsselung kognitiver und verhaltensbezogener Zustände bei Tieren und Menschen anhand von Elektrophysiologie und Verhaltens-Tracking unter Einsatz von Machine Learning, KI und Hochleistungsrechnen.
Zuletzt wendet XX diese Werkzeuge in der Entwicklung psychedelischer Wirkstoffe an, um neuartige Substanzen schnell zu screenen und Erkenntnisse über Wirkstärke, Nebenwirkungen, Verwandtschaft zu bereits bekannten Substanzen sowie über zu erwartende Reaktionen in Patientengruppen im Rahmen einer „Precision Psychiatry“ zu gewinnen.“
Laut mehrere Leute haben sich geaüßert, dass Zukunft von psychische Krankheiten richtet sich in psychedelische Richtung. Nicht nur Psyon, das Studien durchführt und maßgeblich zur Gesetzesänderung beigetragen hat, sondern auch zum Beispiel die Wissenschaftlerin mit tschechischen Wurzeln Barbora Paldus, die an der Stanford-Universität promoviert hat, unterstützt diesen Ansatz.

